Verband des Deutschen Mineralien- und Fossilien- Fachhandels

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Das Gemmologische Institut Hamburg warnt vor dem Telefonverkauf

 

Seit den frühen neunziger Jahren werden lose Diamanten von Anlagefirmen über Telefonverkauf angeboten. Es dürfte bis jetzt in der Bundesrepublik einige zehntausend Geschädigte geben, die von geschickten Anbietern umgarnt und zum Kauf genötigt worden sind. 1994/1995 erreichte die Welle ihren Höhepunkt. Tagespresse und Fernsehen griffen das Thema damals häufiger auf und sprachen Warnungen aus.

Das Ende ist noch nicht in Sicht. In den vergangenen Monaten war zu beobachten, daß die in der Öffentlichkeit vorgetragenen Warnungen anscheinend vergessen sind und Anlagefirmen wieder vermehrt Käufer gewinnen. Dem Gemmologischen Institut Hamburg wurden in diesem Jahr z.B. wieder vermehrt Diamanten zur Beurteilung vorgelegt, die über Telefonverkauf zum Zweck der Geldanlage gekauft worden waren.

Die betrügerische Absicht, die dahinter steht, ist nur zu durchschauen, wenn eine gute Kenntnis des Diamantenmarktes vorliegt. Dies ist aber bei den Käufern nicht der Fall und sie suchen professionelle Hilfe meistens erst dann, wenn es zu spät ist. Die Anlagefirmen bieten lose Diamanten am Telefon an und übersenden sie dem Käufer, nachdem er den verlangten Kaufpreis entrichtet hat. Dieser liegt meistens deutlich oberhalb des durchschnittlichen Wiederbeschaffungswertes, also oberhalb der Einzelhandelsverkaufspreise, die im Normalfall bei einem guten Juwelier zu bezahlen wären. Dieses Vorgehen stellt eine Übervorteilung dar, es ist noch nicht direkt als betrügerisch zu bezeichnen.

Der Käufer weiß nicht, in welchem Verhältnis der von ihm bezahlte Preis zu den Marktpreisen steht, weil er keine Erkundigungen einzieht. Die Diamanten sind in der Regel versiegelt und mit den Zertifikaten eines ausländischen Institutes versehen. Ein Mikrofilm des Zertifikates ist in der Versiegelung enthalten. Die hervorragende Aufmachung erweckt beim unbefangenen Käufer Vertrauen, der nicht weiß, daß die Versiegelung keine Garantie bedeutet und daß es viel eher den Gepflogenheiten des Diamanthandels entspricht, lose Diamanten zu verkaufen.

Dem Käufer wird immer die Information vorenthalten, daß es für Privatpersonen nicht möglich ist, Diamanten zum Wiederbeschaffungswert wieder zu veräußern. Diese elementare Tatsache wird dem Käufer erst dann bewußt, wenn es zu spät ist. Die Anlagefirmen suggerieren zunächst, daß sie den verkauften Stein nach einer bestimmten Zeit wieder mit einem Aufpreis zurücknehmen. Wenn es dann soweit ist, wird der Käufer meistens überredet, doch noch einen oder zwei weitere Diamanten zu kaufen, da die Anlagesituation im Moment gerade so günstig ist. Dies mag sich beliebig fortsetzen. Es gibt Fälle, in denen Anleger bis zu 20 Diamanten und mehr gekauft und einige hunderttausend Mark investiert haben. Erst wenn der Anleger irgendwann energisch darauf besteht, Geld zurückzubekommen anstatt weitere Diamanten zu kaufen, wird er erkennen, daß etwas nicht stimmt. Es ist kein einziger Fall bekannt geworden, in dem eine Anlagefirma einen Diamanten wieder zurückgekauft hätte.

Jetzt ist meistens auch der Augenblick gekommen, in dem der Käufer einen Juwelier um Rat fragt oder zu einem Sachverständigen geht. Erst jetzt wird er erfahren, auf was er sich eingelassen hat. Zunächst einmal halten die Qualitätsangaben in den Zertifikaten der versiegelten Diamanten nicht immer das, was sie versprechen. Abweichungen um bis zu zwei Stufen nach unten in Reinheit und Farbe sind beobachtet worden. Das eigentliche Drama liegt aber in der Tatsache, daß der Käufer erst jetzt erfährt, daß er sich ganz allein auf die Suche nach einem Käufer machen muß und daß niemand auf ihn wartet. Darüberhinaus wird der Käufer erst jetzt erkennen, daß er nur etwa die Hälfte bis ein Drittel des durchschnittlichen Wiederbeschaffungswertes wird erzielen können. Die Hälfte entspricht dem sog. Verkehrswert, der normalerweise einem Verkauf zwischen zwei Privatpersonen zugrunde gelegt wird. Dies bedeutet, daß der Käufer sich selbst in seinem Bekanntenpreis oder durch die Anzeige in einer Tageszeitung einen privaten Käufer suchen muß. Dies ist nicht einfach und nur selten von Erfolg gekrönt. Realistischer ist es, den Diamanten an einen sog. Wiederverkäufer zu verkaufen, dabei wird aber nur der so treffend Realisationswert genannte Betrag zu erzielen sein, der in der Regel etwa im Bereich von 30 Prozent des Wiederbeschaffungswertes liegt, aber je nach der Dringlichkeit und den Umständen des Verkaufs auch darunter liegen kann. Zu den Wiederverkäufern gehören z.B. Juweliere, Händler, Auktionshäuser und An- und Verkaufsläden, aber hier gilt es zu beachten, daß nur wenige Juweliere Diamanten zurückkaufen. Einige Häuser, die dem 1988 vom Frankfurter Juwelier Vomstein ins Leben gerufenen Rent-a-Jeweller - Modell folgen, haben sich aber z.B. darauf spezialisiert, Schmuck und Diamanten im Kommissionsverkauf anzubieten.

Der zu erzielende Realisationswert richtet sich darüberhinaus nach dem tatsächlichen etwaigen Wiederbeschaffungswert der Diamanten und nicht nach dem vom Käufer bezahlten Betrag, der meistens einen überhöhten Wiederbeschaffungswert darstellt. Wenn man dann noch berücksichtigt, daß die Qualitätsangaben auch häufig nach unten korrigiert werden müssen, dann wird der Sachverständige einen deutlich niedrigeren tatsächlichen Wiederbeschaffungswert errechnen.

Ein Beispiel soll dies verdeutlichen. Nehmen wir an, daß ein Käufer für 2 Einkaräter zusammen einen Preis von Eur. 15.000,- bezahlt hat. Bei einem guten Juwelier hätte er für die angegebenen Qualitäten nur Eur. 12.000,- bezahlen müssen. Der Sachverständige stellt fest, daß Reinheit und Farbe von den Angaben abweichen, damit verringert sich der beim Juwelier zu bezahlende Betrag auf etwa Eur. 10.000,-. Der zu erzielende Realisationswert liegt dann bei etwa Eur. 3.000,- der Verkehrswert bei etwa Eur. 5.000,-.

Der Käufer sollte sich zur Wehr setzen und in jedem Fall einen Anwalt aufsuchen. Allerdings existieren die Anlagefirmen oft zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr, zu dem der Käufer feststellt, daß er betrogen worden ist.

Es muß hier noch erwähnt werden, daß Diamanten im Normalfall als Schmuckobjekt beim Juwelier gekauft werden und nicht bereits am nächsten Tag wieder zum Kauf angeboten werden. Meistens findet der Verkauf von Diamanten von privater Seite her erst dann statt, wenn die Stücke ein oder zwei Generationen im Familienbesitz gewesen sind. Der zu erzielende Realisationswert wird dann oft dem einmal bezahlten Wiederbeschaffungswert entsprechen. Dies zeigt, daß Diamanten langfristig gesehen durchaus als "Wertsicherungsmittel in Zeiten der Not" zu betrachten sind. Der seriöse Juwelier wird diese Tatsache seinem Kunden vermitteln und ihm niemals vorgaukeln, daß Diamanten eine schnell zu realisierende Geldanlage sind.

Hilfesuchenden wird darüberhinaus empfohlen, sich an die Verbraucherzentralen zu wenden, die z.B. auch generell abmahnen können, da Telefonverkauf gegen das Wettbewerbsrecht verstößt.

 


Quelle Gemmologisches Institut Hamburg, Januar 2005


Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 27. Januar 2005 um 15:32 Uhr

 
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